Aktuelle Markteinschätzung

 

Gemessen an der Börsenkapitalisierung befindet sich die Hälfte der Welt bereits in oder am Rande einer Rezession. Die internationalen Aktienmärkte sind fast ausnahmslos in einem Bearmarkt (definiert als Kursverluste von mindestens 20% ggü. dem Hoch). Viele Grossanleger wurden auf dem falschen Fuss erwischt, da ihre bewährten Strategien versagten. Besonders hart traf es die in „normalen“ Marktzyklen so erfolgreichen Quants, zahlreiche Valueinvestoren verzeichnen ihre schlechteste relative Performance seit Jahren. Wurde der Kursrutsch zum Jahresbeginn noch mit ungläubigem Staunen registriert, stellte man im Verlauf ds Frühjahrs fest, dass auch Gesundbeterei („die Hälfte der faulen Kredite haben wir schon abgeschrieben!“) bei einer vom Inmobilienmarkt ausgelösten Bankenkrise nicht hilft. Erst langsam wird man sich der Tragweite und Auswirkungen auf die Realwirtschaft bewusst.

 

Die jüngste Verbesserung der US-Konjunkturdaten signalisiert noch nicht, dass der Tiefpunkt nachhaltig überwunden ist. Steuerrückerstattungen und monetäre Hilfen haben nur zu einer Zwischenerholung geführt. Das BSP-Wachstum im 2. Quartal dürfte den Höhepunkt für 2008 markiert haben. Bestenfalls ist demnach von einer W-förmigen Erholung auszugehen. Erst mit dem Abklingen der von der Immobilien-/Bankenkrise ausgelösten Verwerfungen im Verlauf von 2009 kann mit dem Beginn eines deutlichen Aufschwungs gerechnet werden.

 

Gemessen an den Kursverlusten der letzten Monate, befinden sich die Weltbörsen fast ausnahmslos in einer Baisse (-20% vom Top). Hat man eine Baisse erkannt (z. B. durch die Etablierung eines Abwärtstrends – in der Dow-Theorie: lower lows+lower highs) hat sich in vergangenen Börsenzyklen eine radikale Neuausrichtung der Anlagestrategie bewährt. Anleger sollten also bereits jetzt eine Baissestrategie verfolgen. Dies bedeutet Investitionsgrad in Aktien null und wenn möglich negativ z.B. durch Leerverkäufe oder den Einsatz derivativer Instrumente wie Futures. So rational diese Strategie ist, widerspricht sie doch dem Grundoptimismus der meisten Börsianer und längerfristig kann sie ja auch nicht erfolgreich sein, da Aktienmärkte über längere Zeiträume immer zu steigen pflegen.

 

Für institutionelle Anleger gilt im Prinzip das Gleiche. Gebunden durch Anlagebedingungen wie z.B. Mindestinvestitionsgrad 50% oder um ihre Existenzberechtigung als Fondsmanager zu legitimieren, werden die wenigsten ihren Investitionsgrad zu Beginn einer Baisse so drastisch verändern. Zumindest richten aber auch sie Ihre Portefeuilles etwas defensiver aus (höhere Kasse,  defensive Sektoren wie z.B. Konsumgüterproduzenten, Pharma, Energie übergewichten).

 

Über all die Begeisterung, dass man auch von fallenden Kursen profitieren kann, darf man aber nicht vergessen, auf die Haussestrategie umzuschalten. Aus fundamentalanalytischer Sicht ist dies spätestens dann notwendig, wenn

-sich eine konjunkturelle Wende abzeichnet

-die Anpassung der Gewinnerwartungen an das rezessive Umfeld abgeschlossen ist.

 

Beim vorauseilenden Konjunkturindikator Börse dürfte jedoch die Markttechnik frühzeitig Signale für den Beginn eines neuen Bullmarktes liefern. Siehe aktuelle Markttechnik.

 

In Zeiten negativer Realzinsen findet der Anleger ein ideales Umfeld für zwischenzeitliche Anlagen im Bereich Edelmetall. Nach der scharfen Korrektur der Edelmetallpreise bieten sich besonders Silber (z.B. SLV – NYSE 12,53) und Platin für kurzfristige Spekulationen an. Zur technischen Einschätzung (in Englisch) der Edelmetallmärkte verweise ich auf Clive Maund http://www.321gold.com/editorials/maund/maund082608.html

 

Anlagestrategie folgt im Aktienboard-Thread: Wo findet der Dax Boden?

 

 

Quelle: W.Staudt auf Godmode-Trader.de   http://www.godmode-trader.de/de/boerse-nachricht/DAX-Das-koennte-was-werden,a960349,c562.html