Die folgende Abhandlung wurde für den Textband
"Geschlossene Fonds" im Rahmen des IHK-Lehrgangs "Fachwirt für
Finanzberatung" für die DIHT-Bildungs-GmbH verfaßt.
Formen und Inhalte
geschlossener Wertpapierfonds
1. Bedeutung im Rahmen der Investmentanlagen
Geschlossene Wertpapierfonds bieten im Vergleich zu
offenen Fonds zusätzliche Vor- aber auch Nachteile. Sie bereichern besonders
für den international orientierten Investor das Anlagespektrum. Für deutsche
Anleger spielen geschlossene Wertpapierfonds wegen der steuerlichen Behandlung
zur Zeit nur in Randgebieten der Kapitalanlage eine Rolle. Um die
Benachteiligung ausländischer Kapitalanlagegesellschaften zu beenden, muß sich
dies im Rahmen der EG-Harmonisierung in den nächsten Jahren ändern.
1.1
Geschlossene Investmentfonds als ausländische Fondsvariante
International und besonders im angelsächsischen Raum
stehen geschlossene Wertpapierfonds gleichberechtigt neben den offenen Fonds.
Tochtergesellschaften deutscher Großbanken treten hier auch als Fondsmanager
geschlossener Fonds auf. So werden z.B. diverse "Germany-Funds" und
"Europe-Funds" an Wallstreet und in London notiert. Außer in den
Hauptmärkten USA und Großbritannien gibt es auch an vielen anderen Börsen
geschlossene Wertpapierfonds (z.B. Korea, Taiwan, Thailand, Tschechien), die
jedoch für lokale Anleger gedacht sind.
1.2.
Internationaler
Stellenwert
Das Fondsvolumen der über 1200 weltweit
existierenden geschlossenen Wertpapierfonds wird auf $ 200 Mrd. geschätzt. Bei
speziellen Anlagegebieten wie z.B. Emerging Markets, Biotechnologie oder auch
einzelnen Entwicklungsländern nehmen die geschlossenen Fonds im internationalen
Vergleich einen höheren Stellenwert ein als offene Fonds.
1.3
Fehlende offizielle Zulassung in Deutschland
Mit wenigen Ausnahmen sind geschlossene
Wertpapierfonds in Deutschland bisher nicht zum Vertrieb zugelassen und somit
steuerlich benachteiligt. Irreführend ist hierbei, daß mehr als 30 geschlossene
Aktienfonds im Freiverkehr an deutschen Börsen gehandelt werden. Die drastische
Besteuerung gilt aber auch für diese Fonds, sofern sie im Inland gehalten
werden.
2. Wesensmerkmale geschlossener Wertpapierfonds
2.1
Fondsgesellschaften als börsennotierte Unternehmen
Im Gegensatz zu den in Deutschland durch
Kapitalanlagegesellschaften vertriebenen Fondsanteilen werden die Anteile
geschlossener Fonds ebenso wie Aktien anderer Unternehmen an einer Börse
notiert oder zumindest im Freiverkehr gehandelt. Die amerikanische und auch
international übliche Bezeichnung für geschlossene Fonds ist Closed-end Funds im Gegensatz zu den mit
den deutschen Fonds vergleichbaren (offenen) Mutual Funds. Als Investment Trusts werden die in London
notierten und von den britischen Aufsichtsbehörden reglementierten
geschlossenen Fonds bezeichnet. Für die offenen Fonds ist in Großbritannien die
Bezeichnung Unit Trusts üblich. Nutzen die Fonds die fehlende Reglementierung
und die sonstigen Vorteile sogenannter Steuerparadiese, wie z.B. auf den
Kanalinseln oder den Bahamas spricht man von Offshore-Funds, die aber durchaus ebenfalls börsennotiert sind.
2.2
Rechtsstatus des Fondsanlegers als Aktionär
Closed-end Funds und Investment Trusts werden in der
Rechtsform einer Aktiengesellschaft geführt. Als Anteilinhaber eines
geschlossenen Fonds hat der Anleger vergleichbare Rechte wie die Aktionäre
anderer Unternehmen in dem Land, in dem der Fonds seinen Sitz hat. Von
besonderer Bedeutung ist das Stimmrecht in Hauptversammlungen. Zusammen mit anderen
Aktionären kann der Anleger z.B. die Umwandlung in einen offenen Fonds, die
Auflösung des Fonds oder den Rückkauf eigener Aktien beschließen.
2.3
Begrenzung der Anteilscheine bei der Emission und Wegfall des
Ausgabeaufschlags
Im Rahmen einer Erstemission (IPO - Initial Public
Offering) emittiert der geschlossene Fonds eine feste Anzahl von Aktien, z. B.
10 Millionen Stück zu $ 10 plus einer Verkaufsgebühr von 3 %, die an die
vermittelnden Broker fließt. Den Erlös von $ 100 Mio. investiert der Fonds
gemäß den im Verkaufsprospekt erläuterten Anlagegrundsätzen. Nach Abschluß der
Emissionsphase werden die Fondsaktien i.d.R an einer Börse notiert. Beim Handel
fallen dann nur noch die börsenüblichen Spesen an.
2.4
Abgrenzung zu offenen Fonds
Geschlossene Wertpapierfonds
·
sind
Aktiengesellschaften
·
haben
keinen Ausgabeaufschlag
·
Kurswert
schwankt in Abhängigkeit von Angebot und Nachfrage und weicht vom inneren Wert ab
·
können
Kredite aufnehmen und damit ihre Performance hebeln
·
haben
ein stabiles Anlagekapital, können nicht in der Baisse (Hausse) zum Verkauf
(Kauf) gezwungen werden
·
weisen
i.d.R. eine günstigere Kostenstruktur (Managementgebühren u.s.w.) als offene
Fonds auf
·
können
mit einem Discount gekauft werden
3. Handel mit Fondsaktien an der Börse
Im Gegensatz zu den in Deutschland gängigen offenen
Fonds werden Closed-end Funds und Investment Trusts ebenso wie Aktien an der
Börse gehandelt. Dies bedeutet, daß sich ihr Verkaufswert nach Angebot und
Nachfrage richtet und im Regelfall vom Inventarwert abweicht.
3.1 Der
"Net Asset Value" als innerer Wert der Fondsanteile
Vergleichbar mit der Errechnung des Rücknahmepreises
bei den in Deutschland üblichen offenen Investmentfonds wird bei geschlossenen
Fonds der Net Asset Value (NAV) errechnet. Man addiert hierzu alle
Vermögensgegenstände des Fonds, substrahiert eventuelle Verbindlichkeiten und
dividiert das Ergebnis durch die Zahl der umlaufenden Anteile.
Der NAV entspricht dem inneren Wert eines
Fondsanteils und kann als Maßstab für die Leistung des Fondsmanagements
herangezogen werden. Er zeigt im Zeitablauf die Entwicklung der im Fonds
enthaltenen Anlagen.
3.2 Discount
und Prämie als Differenz zwischen Net Asset Value und Börsenkurs.
Liegt der Kurs der Fondsanteile über dem NAV, zahlen
Käufer eine Prämie (Aufgeld). Notiert der Kurs der Fondsanteile unter dem NAV,
können die Anteile mit einem Discount (Abschlag) erworben werden. Beträgt z.B.
der NAV eines Fonds $ 10 und der Börsenkurs $ 8, so hat der Fonds einen
Discount von 20 %. NAV und Prämie werden von den Fondsgesellschaften zumeist
wöchentlich ermittelt und können im Wall Street Journal (siehe Anlage) und der
Financial Times verfolgt werden. Discounts und Prämien schwanken im Zeitablauf
sowohl bei einzelnen Fonds als auch im Durchschnitt aller Fonds erheblich.
Aktuell liegt der Discount eines an Wallstreet gehandelten und in
internationale Aktienmärkte investierenden Closed-end funds, der keine
Besonderheiten aufweist, meist zwischen15% und 20%.
Die Existenz von Prämien und Discounts ist mit der
Hypothese effizienter Märkte nur schwer vereinbar und Gegenstand zahlreicher
wissenschaftlicher Untersuchungen. Vielfach lassen sich erhebliche Abweichungen
vom NAV bereits fondsspezifisch erklären. So wurden z.B. Fonds, die in Korea
investierten, mit Prämien von über 100 % gehandelt, weil sie für Ausländer die
einzige Möglichkeit darstellten sich in diesem Markt zu engagieren. Fonds, die
zu einem großen Teil in nicht börsennotierte Wertpapiere investieren, weisen
als Risikoabschlag dagegen oft Discounts von 30 % und mehr auf. Die Performance
des Fonds in der Vergangenheit hat ebenfalls einen Einfluß: Fonds, die sich
beständig schlechter als ihre Benchmark entwickeln, weisen höhere Discounts auf
als die Outperformer. Prämien und Discounts schwanken auch mit der allgemeinen
Marktstimmung. Während viele Emerging Markets Fonds zu Beginn des Jahres 1994
im Rahmen der Begeisterung für Anlagen in diesen Ländern noch Prämien
aufwiesen, verzeichneten die gleichen Fonds drei Monate später bereits
Discounts von oft mehr als 20 %.
Als vielleicht wesentlichster Grund für die Existenz
von Discounts und Prämien läßt sich jedoch die Ignoranz der Anleger gegenüber
dem inneren Wert ihrer Anlage anführen. Sie verfolgen nur den Börsenkurs nicht
aber den NAV. So kommt es zu dem Phänomen, daß zwei an Wallstreet notierte und
in Thailand investierende Fonds seit Mitte 1997 durchschnittliche Prämien von
ca. 70 % und 35 % aufweisen. Gleichzeitig werden in London und Bangkok
entsprechende Fonds mit Discounts von 20 bis 30 % gehandelt.
Weiterführende Informationen über Closed-end funds
lassen sich im Internet in englischer Sprache finden unter http://www.icefi.com und unter http://www.trustnet.co.uk/it/general/
. Bei TrustNet finden sich auch die NAV´s sowie Kurs-/Discount-grafiken von
über 500 Closed-end funds und Investment Trusts (Siehe Grafik in der Anlage).
Einen ersten Überblick in deutscher Sprache gibt http://www.feix.net.
3.3
Bedeutung von Discount und Prämie im Börsenhandel
Der NAV ist die zentrale Größe zur Bestimmung eines
"fairen" Marktpreises geschlossener Fonds. Professionelle Marktteilnehmer
kalkulieren bei der Kursfindung mit einer marktüblichen Abweichung vom NAV.
Hierbei spielen neben den bereits genannten Gründen für die Discounts und
Prämien viele andere Kriterien eine Rolle: Wie sind die Chancen, den Fonds in
einen offenen Fonds umzuwandeln? Welche Großaktionäre hat der Fonds? Welche
Discounts haben vergleichbare Fonds? Wie kann man Engagements hedgen?
Große Abweichungen vom inneren Wert lassen sich bei
geschlossenen Wertpapierfonds durch direkte oder zeitliche Arbitrage profitabel
nutzen. Hierbei können eingegangene Positionen z. B. durch Leerverkäufe oder
Derivate abgesichert werden.
4. Beteiligung an geschlossenen Wertpapierfonds
4.1
Steuerliche Behandlung ausländischer geschlossener Investmentfonds
Grundlage für die Besteuerung ausländischer
Investmentfonds für den deutschen Anleger ist das Auslandsinvestmentgesetz. Mit
wenigen Ausnahmen verfügen die geschlossenen Wertpapierfonds weder über eine
Vertriebszulassung in Deutschland noch einen steuerlichen Vertreter. Werden in
Deutschland nicht registrierte Auslandsfonds gehalten, müssen versteuert werden
die
gesamte Ausschüttung
90 %
der erzielten Kurgewinne eines Jahres
erzielte der Fonds in einem Jahr keinen Gewinn, sind 10 % vom Kurswert
zu versteuern.
Beim
Verkauf des Fonds wird eine Steuer von pauschal 20 % des Kurswertes erhoben.
In USA, aber auch bereits im europäischen Ausland,
werden Closed-end Funds wie Aktien besteuert. Werden die Fonds im Rahmen der
Harmonisierung des europäischen Rechts den deutschen Publikumsfonds
gleichgestellt, sind Kursgewinne nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerfrei.
Durch den Kauf geschlossener Fonds über Auslandskonten vermeiden
"steuerunehrliche" Anleger bereits heute die negativen Konsequenzen.
4.2
Steuerbegünstigung für börsennotierte Fondsaktien über Dachfonds
Die steuerliche Benachteiligung des deutschen
Anlegers bei geschlossenen ausländischen Investmentfonds wird von einigen
Kapitalanlagegesellschaften dadurch umgangen, daß sie offene Fonds anbieten,
die wiederum in Closed-end Funds und Investment Trusts investieren. Die Erträge
dieser bisher nur in Luxemburg aufgelegten Dachfonds werden steuerlich genauso
behandelt wie bei den in Deutschland üblichen Investmentfonds.
Zurück zurdeutschen Homepage
Rainer Feix, Anlage- und Vermögensberatung, D-61440
Oberursel, Dornbachstr. 11
E-mail: RFeix@t-online.de,
http://www.feix.net